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Ed Moschitz
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Eduard âEdâ Moschitz (* 13. Juni 1968 in Judenburg) ist ein Ăśsterreichischer Journalist und Dokumentarfilmer.
Contents
⢠Leben
⢠Skinhead-Affäre
⢠Film
⢠Auszeichnungen
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Leben
Eduard Moschitz wuchs auf in Judenburg und zog mit 18 Jahren nach Wien, wo er an der Universität Wien Publizistik studierte.cite-ref-1[1] Noch vor Ende des Studiums schrieb er fĂźr das SĂźdwind-Magazin, die Wochenzeitung Falter und die Tageszeitung Die Presse. 1996 wurde er Redakteur bei dem ORF-Radiosender FM4, danach bis 1999 bei Ă1. Ab 1998 gehĂśrte er der Redaktion des Reportagemagazins Am Schauplatz des ORF-Fernsehens an, wo er als Reporter, Redakteur und Gestalter an rund 100 Sendungen (Restlesser 2004, Am rechten Rand 2010, Fast ganz sicher 2012 u. a.) beteiligt war.cite-ref-pressebio-2-0[2] Seit 2013 ist er in der ORF-Dokumentarfilmabteilung in der Redaktion von Menschen & Mächte tätig.cite-ref-3[3]
Seit 2005 unterrichtet Moschitz als Universitätslektor im Masterstudienlehrgang fßr Qualitätsjournalismus an der Universität fßr Weiterbildung Krems.cite-ref-pressebio-2-1[2]cite-ref-4[4]
Skinhead-Affäre
FĂźr die zur Am-Schauplatz-Folge Am rechten Rand im Jahr 2010 begleitete Moschitz, an Ăźber mehrere Wochen verteilten Drehtagen, zwei arbeitslose Jugendliche, die in Wien in einem Gemeindebau lebten. Aufgrund ihrer kahlgeschorenen KĂśpfe und ihrer Aussagen wurden sie in der Berichterstattung in der Folge oft als âNeonazi-Skinheadsâ beschrieben.cite-ref-presse17122010-5-0[5] Thema der Sendung war, der Frage nachzugehen, weshalb Jugendliche sich der Ideologie des Neonazismus zuwenden.cite-ref-erwachsenenbildung-6-0[6] Die Protagonisten Ăźber einen längeren Zeitraum wiederholt zu besuchen und zu filmen entsprach, wie der Sendungsverantwortliche Christian SchĂźller im Zuge der Presseberichterstattung Ăźber die darauf folgende Kontroverse erklärte, dem Konzept der seit 1995 bestehenden Reportagereihe, âdas Alltagsleben von âNormalosâ kennen zu lernen und es dann mit den Mitteln der Reportage zu rekonstruieren.âcite-ref-presse29032010-7-0[7]
Am 12. März 2010 fuhr das Filmteam mit den Neonazis in einem ORF-Bus zu einer im 50 km entfernten Wiener Neustadtcite-ref-8[8] stattfindenden FPĂ-Parteiveranstaltung, die die beiden besuchen wollten, um die Rede von Parteiobmann Heinz-Christian Strache zu hĂśren.cite-ref-presse29032010-7-1[7] Dort forderte Moschitz die Skinheads auf, Strache anzusprechen.cite-ref-presse26032010-9-0[9] Als dieser nach Ende der Veranstaltung Autogramme gab und sich mit Anhängern fotografieren lieĂ, wozu das Kamerateam hinter die Absperrung eingeladen wurde, holten auch die beiden sich Unterschriften. Zu einem Gespräch kam es nicht. Kurz darauf konfrontierte Strache Moschitz mit dem Vorwurf, dieser hätte die beiden als âAgents Provocateursâ gebracht und aufgefordert âHeil Hitlerâ zu rufen, gab später gegenĂźber der Polizei an, sie hätten âSieg Heilâ sagen sollen, und vor Gericht âdiesen eindeutigen âSieg Heilâ-Sager, der fĂźr mich ein Nazi- und âHeil Hitlerâ-Sager ist, gehĂśrtâ zu haben.cite-ref-10[10]cite-ref-presse26032010-9-1[9] GegenĂźber der Tageszeitung Ăsterreich sagte er, dass Moschitz âmindestens 20 Mal gerufen hat: âSagtâs es doch endlichââ und âzehn andere Zeugenâ es ebenfalls gehĂśrt hätten.cite-ref-11[11] Einer der Skinheads hatte bei einem VerhĂśr durch den Verfassungsschutz infolge der Anzeige Straches den Sager zunächst gestanden und Moschitz damit belastet, diese Aussage aber später widerrufen.cite-ref-12[12] Das Originalband des Drehs, die beiden Skins waren dort mit Funkmikrophonen verkabelt, wurde von der Polizei am Tag nach der Veranstaltung sichergestellt. Darauf waren keine solchen Aufforderungen oder Rufe zu hĂśren, woraufhin Strache dem ORF bzw. Moschitz eine Manipulation des Materials vorwarf.cite-ref-13[13]
Es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit mit der FPĂ bzw. deren Parteiobmann. Moschitz wurde dabei von Seiten des ORF durch Ăbernahme der Kosten unterstĂźtzt.cite-ref-14[14] Im Verlauf der Verfahren wurde von allen beteiligten Seiten und den Gerichten eine Reihe von Gutachten zu den Bändern eingeholt, von denen keines Manipulationen nachweisen konnte. Zu Beginn brachte Strache eine Anzeige gegen Moschitz wegen Anstiftung zur NS-Wiederbetätigung und Beweismittelfälschung ein. Am 27. Juni 2011 stellte die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt das Ermittlungsverfahren wegen Anstiftung zur Wiederbetätigung ein, fĂźhrte aber das zur Manipulation der Bänder ebenso weiter wie das von SchĂźller seitens des ORF gegen Strache angestrengte wegen mĂśglicher falscher Beweisaussage und Verleumdung. Aufgrund der langen Verfahrensdauer reichte Moschitz im April 2012 beim Europäischen Gerichtshof fĂźr Menschenrechte (EGMR) wegen der Verletzung des Rechts auf ein faires Verfahren sowie des Rechts auf wirksame Beschwerde eine Beschwerde gegen die Republik Ăsterreich ein.cite-ref-15[15] Im Mai 2013 stellte die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt beide Verfahren ein.cite-ref-16[16] Die von Moschitz eingebrachte Klage gegen die FPĂ wegen Ăźbler Nachrede und Verletzung der Unschuldsvermutung wurde im Mai 2014 vom Wiener Straflandesgericht abgewiesen.cite-ref-17[17]cite-ref-18[18] Das Urteil wurde im März 2015 durch das OLG Wien aufgehoben und zur neuerlichen Verhandlung und Entscheidung an das Erstgericht zurĂźckverwiesen. Das neuerliche Verfahren endete im April 2016 mit der Verurteilung der FPĂ zu einer Entschädigungszahlung von 13.000 Euro an Moschitz und der Verpflichtung der Partei, das Urteil zu verĂśffentlichen. Das Urteil wurde zunächst nicht rechtskräftig, da der FPĂ-Anwalt volle Berufung anmeldete.cite-ref-19[19] Am 21. Juni 2017 wies das Oberlandesgericht Wien die Berufung der FPĂ ab und erhĂśhte die Moschitz zustehende Entschädigung auf 17.000 Euro.cite-ref-20[20]
Abseits der Gerichtsverfahren wurde dem ORF wie auch Moschitz von Strache und Kritikern vorgeworfen, den beiden Protagonisten der Reportage Geld gegeben zu haben. Von Seiten der Redaktion erhielt jeder von ihnen jeweils einmalig 100 Euro; als Aufwandsentschädigung, Rechteabgeltung (vgl. Recht am eigenen Bild) oder fĂźr Spesen externer Mitwirkender in Reportagen nicht ungewĂśhnlich, wie der kaufmännische Direktor des ORF Richard Grasl erläuterte.cite-ref-21[21]cite-ref-22[22] Von Moschitz bekamen sie insgesamt ebenfalls rund 200 Euro. Zum Vorwurf, er habe den beiden Geld gegeben, um in einem âNazi-Shopâ einzukaufen, erklärte er, er habe einem von ihnen 50 Euro gegeben, weil der in einem sogenannten Army-Shop, in dem gebrauchte Militärkleidung verkauft wird, einkaufen wollte. Der habe sich dann anders entschieden und fĂźhrte das Filmteam in ein, wie es in der Reportage beschrieben wird, âverstecktes Geschäftâ fĂźr Kleidung mit rechtsradikalen Aufschriften und NS-Devotionalien.cite-ref-23[23]cite-ref-presse17122010-5-1[5]
Am 23. Mai 2011 wurde Moschitz fĂźr die Reportage mit dem Fernsehpreis der Ăsterreichischen Erwachsenenbildung in der Sparte Dokumentation ausgezeichnet.cite-ref-erwachsenenbildung-6-1[6]
Film
2011 kam Moschitzâ erster Kino-Dokumentarfilm Mama Illegal in die Kinos. Die Premiere fand am 23. November beim International Documentary Film Festival Amsterdam statt. In der Folge wurde er auf zahlreichen Festivals in verschiedenen Ländern Europas wie auch in Ăthiopien, SĂźdkorea, Kirgisistan und Argentinien gezeigt und dabei mit mehreren Preisen ausgezeichnet.cite-ref-24[24]
Thema des Films sind Flucht und Arbeitsmigration im heutigen Europa, gezeigt am Beispiel dreier Frauen aus Moldawien, die ohne Aufenthalts- oder Arbeitsbewilligungen in Westeuropa als Putzfrauen arbeiten und ihre EinkĂźnfte zur UnterstĂźtzung ihrer Familien, vor allem ihrer in der Heimat verbliebenen Kinder, nach Hause schicken. FĂźr Moschitz war der Film ein Langzeitprojekt, fĂźr das er die Frauen Ăźber sieben Jahre immer wieder begleitete. Ausgangspunkt war die Am Schauplatz-Reportage âDorf ohne Mutterâ aus dem Jahr 2004.cite-ref-25[25]
Reportagen (Auswahl)
⢠2020 Ausnahmezustand in Ischgl
⢠2019 Sklaven fßr die Alten
⢠2018 An der Waschstrasse
⢠2018 Im kleinen Prater
⢠2017 Startups â Hinter dem Hype
⢠2016 Land der Griller
⢠2014 Viel zu laut â Lärmopfer
⢠2013 Trinkfest â Leben mit Alkoholismus
⢠2013 Auf der Flucht â Menschen vor der Abschiebung
⢠2012 Nicht gut genug â Essen im MĂźllcontainer
⢠2012 Fast ganz sicher â Geschäfte mit Finanzprodukten
⢠2010 Die Angstmacher â BĂźrgerbewegung gegen eine Moschee
⢠2010 Am rechten Rand â Rechtsextremismus in Ăsterreich
Quelle:cite-ref-26[26]
Auszeichnungen
⢠2004 Prälat-Leopold-Ungar-JournalistInnenpreis fßr Dorf ohne Mßtter
⢠2005 Internationaler Medienpreis Davos fßr Restlesser
⢠2008 Auszeichnung mit Filmstipendium der âCinestyriaâ fĂźr Projektentwicklung "Mama Illegal"
⢠2009 Medienpreis, Hilfswerk Austria
⢠2011 Fernsehpreis der Ăsterreichischen Erwachsenenbildung fĂźr Am rechten Rand
⢠2011 Nominierung zum Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreis
⢠2011 Premiere Kinodokumentation Mama Illegal, IDFA, Amsterdam
⢠2011 Journalistenpreis Hilfswerk Austria âKategorie TVâ
⢠2012 Hauptpreis beim "One World" International Documentary Film Festival, Brßssel
⢠2012 Dokumentarfilmpreis der Stadt Freistadt fßr Mama Illegal
⢠2012 Grand Prix, âBur Duinoâ Filmfestival, Kyrgisien
⢠2013 Award for Medium-length film/Full-length film âmujerDocâ, Filmfestival, Spanien
⢠2013 Spezialpreis beim Cronograf Filmfestival, Moldawien
⢠2014 Civis â Europas Medienpreis fĂźr Integration Kategorie: Information
⢠2019 Journalistenpreis âvon untenâ fĂźr Sklaven fĂźr die Alten
⢠2021 Auszeichnung fßr hervorragenden Journalismus im Gedenken an Claus Gatterer fßr seine Reportagen aus Ischgl im ORF-Magazin Am Schauplatz des Presseclubs Concordia (siehe Prof. Claus Gatterer-Preis)cite-ref-27[27]cite-ref-orf3217775-28-0[28]
Weblinks
Commons
: Ed Moschitz
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
⢠dok.at: Eduard Moschitz â Kurzbiografie und Werkverzeichnis
Einzelnachweise
cite-note-11. â Sommergespräch â Ed Moschitz: "Ich mag Judenburg wirklich, aber es bekommt Museumscharakter", abgerufen am 4. Juni 2024
cite-note-pressebio-22. â Pressemappe zu âMama Illegalâ (Memento des Originals vom 4. März 2016 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂźft. Bitte prĂźfe Original- und Archivlink gemäà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.mamaillegal.com, 2011.
cite-note-44. â Universität fĂźr Weiterbildung Krems: Qualitätsjournalismus, MA: Lehrende/TrainerInnen (Memento des Originals vom 8. Mai 2015 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂźft. Bitte prĂźfe Original- und Archivlink gemäà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.donau-uni.ac.at (abgerufen am 21. Mai 2015)
cite-note-presse17122010-55. â Die Presse: Nach OGH-Urteil: âSchauplatzâ: Redakteur Moschitz spricht, 17. Dezember 2010.
cite-note-erwachsenenbildung-66. â erwachsenenbildung.at: 43. Fernsehpreis: Aus der Vergangenheit fĂźr die Gegenwart lernen, 3. Juni 2011 (abgerufen am 22. Mai 2015)
cite-note-presse29032010-77. â Die Presse: âAm Schauplatzâ braucht âkeine politische UnterstĂźtzungâ, 29. März 2010 (abgerufen am 19. Mai 2015)
cite-note-88. â Kleine Zeitung: Skinhead-Affäre: ORF-Reporter Moschitz freigesprochen, 27. Juni 2011.
cite-note-presse26032010-99. â Die Presse: FPĂ vs. ORF: "Irgendwas eindeutig Neonazistisches", 26. März 2010 (abgerufen am 19. Mai 2015)
cite-note-1111. â Ăsterreich (Tageszeitung): Justiz will jetzt Nazi-Bänder vom ORF, 26. März 2010.
cite-note-1212. â Die Presse: Skinhead-Reportage: ORF-Journalist Moschitz siegte gegen FPĂ, 26. April 2016.
cite-note-1313. â Der Standard: "Schauplatz"-Urteil des OGH fĂźr "wichtiges Signal", 17. Dezember 2010.
cite-note-1414. â Streit um Nazi-Video: ORF zahlt auch nächste Runde krone. at, abgerufen am 24. März 2015.
cite-note-1616. â Der Standard: Ed Moschitz: "Mehr als drei Jahre sekkiert", 9. Juli 2013.
cite-note-1717. â Die Presse: Skinhead-Reportage: Moschitz blitzt mit Klage gegen FPĂ ab, 15. Mai 2014.
cite-note-1818. â Der Standard: Skinhead-Reportage: ORF-Redakteur Moschitz verliert gegen FPĂ, 14. Mai 2014.
cite-note-1919. â Der Standard: "Skinhead"-Reportage: FPĂ verliert gegen ORF-Redakteur, 26. April 2016.
cite-note-2020. â Skinhead-Reportage: OLG Wien wies Berufung der FPĂ ab. vienna.at vom 21. Juni 2017.
cite-note-2121. â Die Presse: Grasl bestätigt: 200 Euro fĂźr Skinheads, 11. April 2010 (abgerufen am 19. Mai 2015)
cite-note-2222. â Am-Schauplatz braucht keine politische UnterstĂźtzung Die Presse, abgerufen am 19. Mai 2015.
cite-note-2323. â Florian Klenk in Falter 40/2010: âAm Schauplatzâ vor Gericht, 2010 (abgerufen am 22. Mai 2015)
cite-note-2424. â Mama Illegal: Preise & Festivals (abgerufen am 21. Mai 2015)
cite-note-2525. â ORF/ORF III: doku.zeit am Montag: Mama Illegal (Memento des Originals vom 4. Juli 2015 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprĂźft. Bitte prĂźfe Original- und Archivlink gemäà Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/tv.orf.at, Mai 2014.
cite-note-2626. â dok.at | Eduard Moschitz. Abgerufen am 15. April 2020.
cite-note-2727. â Gatterer-Auszeichnung 2021. In: concordia.at. Abgerufen am 15. Juni 2021.